Die Leiden des jungen Werthers – Samstag – 19.30

Wer Werther schon abgeschrieben hat, darf sich getrost noch einmal in dieses Stück wagen. Abgeschreckt von der schulischen Abstumpfung der Thematik wagte sich das Rezitationsensemble der Uni Münster dennoch an dieses schon klassische Stück. In der halbjährlichen Erarbeitung des Stückes wurden die Kernaussagen herausgearbeitet, gefiltert und erweitert.
Erweitert um viele Texte anderer großer Literaten wie Rainer Maria Rielke, Ingeborg Bachmann und Goethe selbst.
Erweitert auch um viel vertonte Literatur. Und was das wichtigste ist, erweitert um Texte und Lieder, die von den Studenten selbst geschrieben und verfasst wurden. Dabei behält dieses Stück dennoch seinen Charakter eines großen Klassikers, wird aber eingängiger, eindringlicher und scheut auch nicht vor Bezügen zu modernen Themen zurück. Scheint das Stück zu Anfang noch klar und eindeutig die zwischenmenschliche Beziehung Werthers zu Lotte in den Fokus zu stellen, so verschlingt sich alsbald Handlung und Thematik, stellt Werther selbst als widersprüchlich dar und zeigt auf all das Schöne und das Hässliche unserer Welt, den Druck unserer Leistungsgesellschaft und die Freude, die ein einfacher, sonniger Nachmitttag geben kann. Es ergibt sich ein gutes und rundes Theaterstück, das auch noch genügend geistige Kost für den Zuschauer bietet und sich mit Allgemeinweisheiten und großen Antworten zurückhält und lieber leise durchdacht werden möchte.

Das Rezitationsensemble der Uni Münster setzt sich aus Studenten unterschiedlicher Fachrichtungen zusammen – von Chemie über Grundschullehramt bis hin zur Psychologie, aber auch eine Austauschstudentin sowie ein freiberuflicher Werbedesigner wirken mit und runden das Ensemble ab. Es arbeitet auf demokratischer Basis, ohne einen Leiter oder Regisseur, alle Entscheidungen, die das Stück belangen, werden im Plenum entschieden und auch konstruktive Kritik und Hilfestellung zum Schauspiel kommen aus den eigenen Reihen. Mit “Den Leiden des jungen Werthers”, an dessen Erarbeitung sie rund ein halbes Jahr und einmal Semesterferien gesessen haben, spielen sie ihr Debütstück auf Münster freien Bühnen.


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