Videokunst Magdalena von Rudy – Sonntag

am Sonntag, 29.1., zeigen wir drei Videos von Magdalena von Rudy. Sie werden im Rahmen der Vernissage immer im Loop zu sehen sein. Die Künstlerin ist anwesend.

 

Picnic HD, 2008, 8.00 Min

In dieser Arbeit insziniert Magdalena von Rudy fünf Mädchen in der Musik- und Kunstschule Remscheid, die alle Texte sprechen, die um das Thema Tod kreisen, insbesondere im Bezug zu Natur. Die Texte sind ihnen fremd, aber dennoch erzählen sie wiederum etwas über die Mädchen selbst. Auf der Schwelle zwischen Kind- und Erwachsensein haben die Protagonistinnen eine besondere Affinität zu dem Inhalt der Versen, und deren Stimmung wird von einer Mischung aus Melancholie, Faszination und Traurig- keit durchdrungen. Die Mädchen bewahren ihre Fassung und dennoch kommt eine außerordentliche Verletzlichkeit zum Vor- schein, die zusätzlich durch die Entscheidung der Künstlerin, mit der Handkamera zu filmen, verstärkt wird.

 

RAISING HD, 2010, 7.14 Min.

 Raising zeigt die Suche dreier Jugendlicher nach ihrer Identität, ihrer gesellschaftlicher Position und ihren Leitbildern. Es ist das männliche Pendant zum Coming-of-Age-Video Picnic. Die Künstlerin inszeniert drei Mitglieder einer Indie-Rock-Band, die allesamt aus der Musik-und Kunstschule Remscheid stammen. In ihr­em Proberaum nehmen sie charakteristische Po­sen von Musikstars ein, während sie Texte aus der dü­ster­en Comic-Verfilmung Sin City zitieren. Die anfangs noch nüchtern und mono­ton wieder­gege­be­nen Wor­te werden Schritt für Schritt mit persönlichen Emotionen auf­geladen und letztlich musi­ka­lisch um­ge­setzt. Gleich­zeitig distanzieren sich die Protagonisten da­mit von dem ursprünglich bru­ta­len und vulgären Inhalt der Dialoge der drei Comichelden. Die jugend­lichen Darsteller, die auch mit dem überzeichneten männlichen Äußeren ihrer Idole wenig gemein ha­ben, verleihen den Texten mit der Zeit eine tiefgreifende persönliche Melancholie und Trau­rig­keit, ein Sin­nieren über die Kom­pli­ka­tio­nen des Erwachsen­werdens, der Verfestigung von Per­sönlichkeit und Iden­tität.

 

HAKAN LYNDON  HD, 2011, 12 MIn.

In Hakan Lyndon erzählt der türkischsstämmige Hakan Eren die Geschichte des Barry Lyndon aus dem gleichnamigen Film von Stanley Kubrick. Die gemäldeartige Atmosphäre des Films auf­greifend, trägt der Darsteller ein spätbarock anmutendes Hemd, die Szenen spielen in romantischer Land­schaftszenerie oder in dunklen, nur von Kerzenschein erleuchteten Räumen. In dieses Hell-Dun­kel ge­taucht weckt der Typus des Jungen aber ebenso Assoziationen an Bildwelten Caravaggios. Erst im Ver­lauf der Nach­erzählung vom Aufstieg und Fall des irischen Abenteurers Barry Lyndon erkennt der Zu­hörer die Sprachstörung des jugendlichen Erzählers. Trotz dieses vermeintlichen ‚Makels‘ besticht Hakan durch lebhaftes Erzähltalent und aus­drucks­volle Mimik. Dies macht auch hier die emo­tio­na­le An­näherung des Darstellers an den zi­tierten Text fassbar. Hakan befindet sich, wie Barry Lyndon, wel­cher vergeblich ver­sucht, sich in­ner­halb des englischen Adels zu positionieren, in einer gesel­lschaft­lichen Außen­seiter­position, der er entfliehen möchte. Ziel seiner Sehnsüchte ist die Welt der Bil­dung, filmisch re­prä­sen­tiert durch den Gymnasiastenchor, Kom­mentar­kulisse ganz im Sin­ne einer grie­chischen Tragödie.